Die Jagd gehört in Nidwalden seit jeher zur Geschichte unseres Kantons. Sie erzählt von harter Arbeit, von Nähe zur Natur – aber auch von Konflikten. Als 1875 die erste nationale Regelung der Jagd eingeführt wurde, bedeutete dies für viele Nidwaldnerinnen und Nidwaldner einen tiefen Einschnitt. Wilderergeschichten sind bis heute Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Sie erinnern uns daran, dass Jagd immer auch eine Frage von Gerechtigkeit, Verantwortung und Existenz war – und geblieben ist.
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Wenn wir heute über Jagd sprechen, sprechen wir auch über uns selbst: über unseren Umgang mit der Natur, über Respekt gegenüber Tier und Lebensraum und darüber, wie wir Verantwortung wahrnehmen. Jagd ist kein Randthema. Sie betrifft die Landwirtschaft, den Schutz unserer Wälder, die Sicherheit auf unseren Alpen und letztlich die Lebensqualität in unserem Kanton. Darum geht es nicht um ein Gegeneinander, sondern um ein gemeinsames Verstehen.
Jägerinnen und Jäger sowie die Wildhut leisten dabei einen wichtigen Beitrag im Auftrag der Allgemeinheit. Sie handeln mit Fachwissen, Erfahrung und grosser Nähe zur Natur. Gleichzeitig braucht es den offenen Austausch mit der Bevölkerung, mit der Landwirtschaft, mit dem Naturschutz und mit allen, die unsere Landschaft nutzen und schätzen. Nur wenn wir zuhören, erklären und Verständnis füreinander entwickeln, gelingt der Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen.
Mit der Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes und der Jagdverordnung, die am 1. Februar 2025 in Kraft getreten ist, wurden die rechtlichen Grundlagen weiterentwickelt. Diese Anpassungen sind eine Chance: eine Chance, die kantonale Jagdgesetzgebung zeitgemäss, nachvollziehbar und ausgewogen auszugestalten – im Dialog mit der Bevölkerung.
Im Zentrum der kantonalen Anpassungen stehen klare, faire und verhältnismässige Regeln. Sie betreffen unter anderem den Umgang mit Grossraubtieren, den Tier- und Herdenschutz sowie die jagdliche Praxis. Ziel ist nicht mehr Regulierung um ihrer selbst willen, sondern Vertrauen und Verantwortung. Vertrauen in klare Zuständigkeiten, in verantwortungsvolles Handeln und in eine Jagd, die ihren Platz in einer modernen, naturverbundenen Gesellschaft hat.
Jagd braucht Regeln. Vor allem aber braucht sie Verständnis, Respekt und den gemeinsamen Willen, Verantwortung zu übernehmen – für unsere Natur, für unsere Tiere und für kommende Generationen.