Vereidung Kantonspolizei Nidwalden


Vertrauen ist der Anfang von allem
(Slogan «Deutsche Bank» vor vielen Jahren)

Vor Kurzem habe ich ein spannendes Referat zum Thema Vertrauen und Verlässlichkeit gehört. 

Es hat mich sofort fasziniert: Gerade als Justiz- und Sicherheitsdirektorin sehe ich immer wieder wie wichtig ein vertrauensvolles und verlässliches Handeln ist, um der Bevölkerung ein sicheres Leben zu ermöglichen. Ohne verlässliche Polizei, Strafvollzug, Register kann kein Vertrauen in den Staat und dessen Handeln bestehen.

Während des gesamten Vortrags war ich hin und her gerissen zwischen den Überlegungen des Referenten über die Wichtigkeit von Vertrauen im Innen- und Aussenverhältnis von Organisationen und den Widerständen, die ich spürte, wenn ich an die polizeilichen Aufgaben und die geforderte Arbeitsweise dachte.

Was hat Justizvollzug mit Vertrauen zu tun? Was hat Verbrechensaufklärung mit Vertrauen zu tun? Was hat die Durchsetzung des Strassenverkehrsrechts mit Vertrauen zu tun?

Gleichzeitig habe ich mich an den Slogan der Deutschen Bank erinnert, der vor vielen Jahren geprägt wurde: «Vertrauen ist der Anfang von allem».

Letzten Sonntag habe ich mich denn entschieden, etwas vertieft darüber nachzudenken.


Geschätzter Herr Kommandant
Geschätzte Polizistinnen und Polizisten
Meine Anrede schliesst alle Anwesenden und bereits durch den Kommandanten persönlich begrüsste mit in den Willkommensgruss ein.

Bitte erlauben Sie mir, meine Gedanken zum Thema Polizei und Vertrauen mit Ihnen zu teilen. 

Wir brauchen Vertrauen. Ganz besonders in dieser unsteten Zeit, in welcher wir uns eben jetzt bewegen. 

Ohne jegliches Vertrauen könnten wir nicht leben. Wir könnten morgens unser Bett nicht verlassen. Unbestimmte Angst würde uns lähmen. Dank unserem Grundvertrauen machen Sie sich aber wahrscheinlich morgens nicht viele Gedanken und stehen einfach vertrauensvoll auf. So hoffe ich es wenigstens. 

Vertrauen ist nicht erzwingbar. Wir müssen sozusagen warten, dass das Geschenk zu uns kommt. Es ist auch nicht manipulierbar, es ist nicht steuerbar, und genau das, macht das Vertrauen wahrscheinlich auch so schwierig aber auch wertvoll. 

Vertrauen basiert auf bestimmten Gründen und es schafft auch Gründe, warum wir einander vertrauen können. 

Lassen Sie mich eine kleine Geschichte erzählen. Sie ist frei erfunden und alle Ähnlichkeiten mit realen Begebenheiten im Führungsalltag sind rein zufällig.

Eine Mutter und ihre Tochter sind im Gespräch. Das Mädchen möchte endlich einmal allein einkaufen gehen und bittet die Mutter um Erlaubnis. Sie fühle sich gross genug, die Herausforderung anzunehmen. Nach einigem hin und her meint die Mutter zu ihr: «Also gut, ich lass dich gehen. Hier sind die Einkaufsliste und ein Batzen. Aber bitte: kaufe keine Schleckwaren.» 

Schliesslich gibt die Mutter noch einige Ratschläge mit auf den Weg: «Pass auf dich auf: Der Weg ist gefährlich. Gehe nicht über diese und jene Strasse und geh nicht durch den umzäunten Garten des Nachbarn. » 

Trotz ihrer Bedenken und Ängste schenkt sie ihrem Kind Vertrauen und lässt es ziehen. 

Nun, in der Geschichte passieren dann allerlei üble Dinge. Das Mädchen erlebt auf dem Weg ins Geschäft allerlei Abenteuer und Gefahren, die es aber alle mit Geschick, Klugheit und auch etwas Glück meistert. 

Im Geschäft angekommen geht sie durch die Einkaufsliste, steckt die Waren ein und legt noch Bonbons dazu. Dies durchaus im Wissen, dass die Mutter nicht wollte, dass sie Schleckwaren einkauft. 

Die Gefahren und Bedrohungen scheinen ihr auf dem Rückweg nach Hause aufgrund ihrer gesammelten Erfahrungen schon nicht mehr so gruselig wie auf dem Hinweg und sie fühlt sich zunehmend selbstbewusst und stolz. Zum Schluss nimmt sie auf den letzten Metern dann noch die Abkürzung durch Nachbars Garten und kommt mit voller Tasche und dem korrekten Rückgeld zu Hause an.

Stolz schaut sie ihrer Mutter in die Augen und sagt: «siehst du Mama, ich hab’s dir doch gesagt, ich schaffe das allein!»

Was nehme ich persönlich mit aus dieser Geschichte, die ja wie gesagt nur rein zufällig allenfalls Wiedererkennungscharakter für Führungskräfte hat?

Vertrauen ist nicht blind: Wir müssen unser Gegenüber bezüglich seiner Fähigkeiten und seines Verhaltens einschätzen und abschätzen, wieviel Hilfestellung/Handlungsrichtlinien notwendig sind. Dabei stützen wir uns auf die Erfahrungen mit der Person. Vertrauen setzt also voraus, dass wir uns kennen und schätzen. Gar häufig schaffen wir es in der heutigen schnelllebigen und mobilen Zeit nicht mehr, einander richtig kennen zu lernen, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. 

Vertrauen braucht es immer dann, wenn wir nicht alles voraussehen können. Wenn wir Vertrauen schenken, müssen wir loslassen können, Freiräume geben und bereit sein, Risiken einzugehen. Vertrauen ist eine Art Tatbeweis für Anerkennung und Wertschätzung. Vertrauen motiviert und führt zu Eigenverantwortung, zu Engagement und zu kreativen Lösungen.

Vertrauen führt zu mehr Effizienz: Wer vertraut, muss nicht alle Details regeln, die ohnehin nicht vorausgesehen werden können. Es genügt, die zu erreichenden Ziele vorzugeben und allenfalls notwendige Handlungsrichtlinien festzulegen. Diese dürfen aber nicht unnötig einschränken.

Vertrauen bedingt eine konstruktive Fehlerkultur. Jeder Fehler ist eine Chance zu lernen, besser zu werden. Dazu braucht es Offenheit, Ehrlichkeit und Feedback. Nicht «wer ist schuld?», sondern «was ist geschehen und wie können wir das in Zukunft vermeiden?» sind die entscheidenden Fragen. Wer Fehler begangen hat, soll offen darüber sprechen, gerade auch wenn sie niemand beobachtet hat. Nur so können alle davon lernen.

Das bedingt aber auch, dass Menschen vor übergriffiger Kritik geschützt werden müssen. Ich jedenfalls kann mir gut vorstellen, wie der gute Nachbar in dessen Gärtchen wir getrampelt sind, aufgebracht nach Bestrafung verlangt.

So entfaltet Vertrauen auch eine Wechselwirkung: Wenn wir Vertrauen vorleben, kann auf der anderen Seite auch Vertrauen zu einem selbst wachsen. 

Geschätzte Polizistinnen und Polizisten, gemeinsam am selben Ziel arbeiten und vertrauensvoll miteinander und gegenüber einander unterwegs sein ist etwas das ganz besonders die Polizeiarbeit auszeichnet.

 «Die Polizei – dein Freund und Helfer». Wer kennt diesen (heute wohl nicht mehr ganz gendergerechten) Slogan nicht?

Ein Freund oder eine Freundin ist eine Person, mit der wir vertrauensvoll und innig verbunden sind. Freundschaft basiert auf einer ähnlichen Gesinnung und ähnlichen Idealen. Sie basiert auf Freiwilligkeit und ist geprägt von einem rücksichtsvollen Umgang miteinander.

In diesem Slogan nimmt die Polizei also für sich in Anspruch, trotz ihrer nicht immer angenehmen Rolle als Durchsetzerin von Recht und Ordnung, die Ideale der Gemeinschaft zu vertreten und gibt das Versprechen ab, ihre Rolle verhältnismässig, also nicht missbräuchlich und nicht zum Schaden der Freundschaft auszuüben.

Ein starkes Versprechen - nicht wahr?

Ein Helfer oder eine Helferin ist eine Person, die andern mit Rat und Tat zur Seite steht und unterstützt. Das Gegenteil von helfen ist im Stich lassen.

Auch das: ein starkes Versprechen!

Die Polizei – dein Freund und Helfer ist also nicht anderes als das Angebot an die Bürgerinnen und Bürger unseres Kantons auf die Einlösung dieses doppelten Versprechens zu vertrauen. 

Es ist auch ein Angebot an die Bürgerinnen und Bürger, sich vertrauensvoll an die Polizei zu wenden, wenn sie Hilfe notwendig haben oder verdächtige Beobachtungen machen.

Es geht also nicht darum zu sagen: «hey schaut mal her, wie grossartig die Polizei ist», sondern es geht darum, jeden Tag, bei jedem Kontakt mit der Bevölkerung, bei jeder Amtshandlung den Tatbeweis zu erbringen, dass die Polizei Recht und Ordnung verhältnismässig, verlässlich und zum Nutzen der Gesellschaft durchsetzt.

Eine vertrauensvolle Beziehung ist geprägt von Gegenseitigkeit. Vertrauen kann man aber nicht einverlangen. 

Vertrauen können wir aufbauen. Die Bürgerinnen und Bürger in die Polizei, sowie die Polizei in die Bürgerinnen und Bürger. 

Eingangs haben wir gehört, Vertrauen setzt auch voraus, dass wir uns gegenseitig kennen. Ich meine damit nicht, dass Sie mit möglichst vielen Leuten per du sein müssen, oder umgekehrt. 

Nein, das einander kennen baut auch Sichtbarkeit auf. Zeigen Sie sich der Bevölkerung, als Polizist und Polizistin. Seien Sie präsent und dies nicht nur im Verkehrsdienst, nein auch als Mensch, zum Beispiel, wenn Sie mit Ihrem Patrouillengspändli Pause machen, setzen Sie sich doch in ein Restaurant oder gehen Sie in den Dorfladen oder in den Tankstellenshop. Ihre Sichtbarkeit schafft Vertrauen, denn Sie werden wahrgenommen und somit auch erkannt und hoffentlich angesprochen. 

Von besonderer Bedeutung ist das Vertrauen in die polizeiliche Arbeit, wenn polizeiliches Handeln nicht beobachtbar und nicht einschätzbar ist. Dies ist zum Beispiel bei verdeckten Massnahmen zum Schutz der Beteiligten und zur Sicherung einer effektiven Strafverfolgung der Fall. Die Bürger müssen bei solchen Massnahmen darauf vertrauen können, dass polizeiliche Eingriffe nur auf Basis gesetzlicher Befugnisse durchgeführt werden und nur im erforderlichen und verhältnismässigen Umfang.

Liebe Polizistinnen und Polizisten.

Ich wünsche mir, dass Sie mithelfen dazu beizutragen, dass die Polizei im Kanton Nidwalden verlässlich und vertrauenswürdig bleibt.

Dass Sie Ihren Auftrag mit Augenmass, verhältnismässig, sympathisch und trotzdem verlässlich, gesetzeskonform und professionell erfüllen.

Dass Sie als Ansprechpartner für die Bevölkerung wahrgenommen und akzeptiert und als vertrauenswürdige Sicherheitsexperten anerkannt werden.

Denn ich bin überzeugt: nur eine Polizei, die von der Bevölkerung vertrauensvoll mitgetragen wird, kann ihren Auftrag demokratisch legitimiert wahrnehmen.

Wo Vertrauen bezüglich gemeinsamer Werte und Verhaltensweisen besteht, muss weniger «diskutiert», «kontrolliert», «überwacht» werden. 

Vertrauen ist deshalb eine Errungenschaft, etwas ganz Besonderes, sie kann nicht einfach vorausgesetzt oder eingefordert werden, sondern es bedarf erster eigener Schritte. Mit dem Risiko enttäuscht zu werden. Aber mit der Chance, zu gewinnen. 

Und woran erkenne ich vertrauenswürdige Personen? 

An ihrer Polizeiuniform, an ihrer Aufrichtigkeit, ihrer Ehrlichkeit, ihrer Kompetenz und ihrer Verlässlichkeit!

Sie geschätzte Polizistinnen und Polizisten stehen genau deshalb hier.

Weil Sie bewiesen haben, vertrauenswürdig zu sein. 

Ich als Justiz- und Sicherheitsdirektorin, Ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Kantonspolizei, alle hier Anwesenden und die gesamte Bevölkerung des Kantons Nidwalden schenkt Ihnen das Vertrauen als Freund und Helfer.

Ich bereite Ihnen hier den schon traditionellen roten Polizei-Schirm aus und lade Sie ein, darunter Platz zu nehmen. Ich wünsche Ihnen vertrauensvolle Momente in Ihrem Korps und in Ihrer Polizeiarbeit. Auf dass Sie immer gesund aus Ihren Einsätzen zurückkehren und sich mit Stolz und Freude an diesen Tag zurückerinnern.

Und ein Herz, eines aus Schoggi. Arbeiten Sie mit Verstand und Herz, sprechen Sie mit den Leuten, seien Sie beherzt und erarbeiten sich so das Vertrauen. 

Und jetzt... geniessen Sie Ihr Wochenende im Wissen:
Vertrauen ist der Anfang von allem.

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