Generalversammlung Aerosuisse – Buochs


Geschätzter Herr Präsident, werter Herr Nationalrat Hurter
Sehr geehrte Herren im Vorstand der Aerosuisse
Werte Mitglieder der Aerosuisse
Liebe Gäste

 

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen. So der Text des Lieds von Reinhard Mey.

Geschätzte Damen und Herren – 

ob ich mich heute in einer sorgenfreien Runde bewegen darf? Die Realität hat uns jüngst hart auf den Boden zurückgebracht. Nicht nur, aber auch Ihre Organisation.

Ich kann Ihnen aber versichern, dass Sie hier in Nidwalden auf einem weichen Boden gelandet sind, auf welchem Sie sich ebenso wohl fühlen können und zumindest für das heutige Treffen sorgenfrei wähnen dürfen.

In einem Kanton, in welchem das Spannungsfeld «zwischen Tradition und Innovation» nicht nur im Leitbild steht, sondern auch im Alltag gelebt wird, ist es für mich als Frau Landammann eine Ehre, heute bei Ihnen meine Grussworte überbringen zu dürfen. Denn eben Sie sind das gelebte Beispiel, wie genau diese beiden Attribute gelebt werden können und gelebt werden. 

Bereits Ziel und Zweck ihres Vereines bestätigt dies. Die Förderung und die Gestaltung der Luft- und Raumfahrt in der Schweiz. 

 


Generalversammlung Aerosuisse in Buochs, 1. Oktober 2021

Stellvertretend für weitere Unternehmungen in unserem Kanton, präsentiert der Standort der heutige GV, mit der Pilatus Flugzeugwerke AG, dass die Luft- und Raumfahrt auch in unserem Kanton eine wichtige Branche darstellt, die hochqualifizierte Arbeitsplätze schafft und eine grosse Wertschöpfung erwirtschaftet. 

Zwischen Himmel und Erde haben wir einiges zu bieten. In Nidwalden gibt es 44 Bergbahnen. Das ist gemessen an der Fläche des Urkantons ein Weltrekord. Und diese Bahnen bringen tagtäglich mehrere Tonnen Lebendmaterial in Form von Hängegleitern auf unser Berge, welche wiederum die Lüfte über unserem Kanton geniessen. 

Die Welt ist in den letzten Jahrzehnten immer näher zusammengerückt. Grenzüberschreitender Austausch und internationale Vernetzung sind gelebter Alltag. Und dabei spielt das Fliegen eine entscheidende Rolle. Fliegen verbindet Länder, Menschen und Märkte. Weltweite Kooperation ist für die Luftfahrtbranche tägliches Selbstverständnis. Die Luftfahrt ist von erheblicher gesamtwirtschaftlicher Bedeutung, nicht nur für die Schweiz, sondern auch für unseren Kanton. 

Doch was ist, wenn plötzlich das Grundlegendste nicht mehr möglich ist; wenn das Fliegen nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt möglich ist?

Corona hat die Zivilluftfahrt praktisch zum Erliegen gebracht. Die Flotten blieben am Boden und gleichzeitig wurden weltweite Lieferketten unterbrochen. Und genau in dieser schwierigen Zeit, der Unsicherheit, der Notlage im Gesundheitswesen und im Spannungsfeld der Sicherheit und Eigenständigkeit, war es die Luftfahrt, welche die lebenswichtigen Güter, wie Masken, Medikamente und Schutzausrüstungen zeitgerecht aus den fernen Ländern für die Schweiz beschaffen konnte. Auch die Evakuationen von im entfernten Ausland gestrandeten Staatsangehörigen erfolgte auf dem Luftweg. Die strategische Bedeutung des Luftverkehrs, für die Wirtschaft, für den Tourismus, für die Versorgung ist offensichtlich. Ich bin froh, hat auch der Bund die Wichtigkeit der Zivilluftfahrt erkannt und die Unterstützung beispielsweise für Airlines und Flugsicherung angeboten. 

Um aber den Luftverkehr auch in Zukunft innovativ zu erhalten, darf die Luftfahrt-Infrastruktur nicht fahrlässig aufgegeben werden, dürfen die Luftfahrt-Unternehmungen nicht leichtsinnig behindert werden. 

Diese Forderung, bringt uns aber unweigerlich zum Thema Klima. Gerade im Zusammenhang mit dem Luftverkehr ist die Klimadebatte ein wichtiges Thema und es bedarf der Sensibilität und der Diskussion. Der Klimawandel ist Tatsache. Darum tun wir gut daran, uns damit auseinanderzusetzen und Massnahmen zu ergreifen. 

Aber wo setzen wir am wirkungsvollsten an? Beim Luftverkehr? Eine Möglichkeit und bestimmt gibt es hier denkbare Handlungsfelder. Doch betrachten wir den Anteil der Schweiz am weltweiten CO2- Ausstoss, so beträgt dieser 1 Promille. Von diesem Promille, trägt der Luftverkehr etwa2% bei. 

Nun darf man sich schon fragen, was bewirkt eine Einstellung oder Reduktion des Luftverkehrs der Schweiz auf das weltweite Klima? Klimawandel ist etwas, das weltweit angegangen werden muss. 

Ich will nicht den Eindruck entstehen lassen, dass man nichts tun soll. Im Gegenteil, dem Klimawandel muss entschieden entgegengetreten werden. In Anbetracht der strategischen Bedeutung der Luftfahrt für die Schweiz, muss man jedoch aufpassen, dass man nicht unverhältnismässige Massnahmen ergreift, welche über das Ganze gesehen, letztendlich wenig Wirkung zeigen. 

Fast 40% der Touristen kommen per Flugzeug in die Schweiz. Wenn nicht mehr geflogen wird, dann hat der Schweizer Tourismus ein Problem. Über 50% des wertmässigen-Exports verlassen die Schweiz auf dem Luftweg. Und wenn der Luftverkehr unverhältnismässig verteuert wird, gefährden wir unsere Exportbranchen.

Allein diese beiden Beispiele zeigen, dass gerade auch in der Klimapolitik Augenmass, Verhältnismässigkeit und gesamtheitliches Denken das Gebot ist.

Nicht dass ich die Meinung vertreten wollte, dass verhältnismässige Verbote und Gebote nicht ihre Berechtigung und Wirkung hätten. Ganz ohne wird es wohl nicht gehen. Doch zeigt uns die Geschichte immer wieder, dass am Ende des Tages die nachhaltigen Fortschritte durch Innovation entstanden sind und nicht durch staatliche Eingriffe. Ziel des staatlichen Handels muss deshalb sein, Innovationen zu fördern. Anreize zu schaffen, um innovativ und unternehmerisch Lösungen für technologische, ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Mit Blick auf die Branche der Luftfahrt, wirft dies unweigerlich die Frage auf: 

Was könnte «New Normal», neue Normalität für die Luftfahrt bedeuten – auch hier gibt es ja kein Zurück zur sog. alten Normalität; wie könnte das Fliegen in den nächsten Jahren aussehen? Wie könnte das Fliegen unter den Nachhaltigkeitsaspekten – Ökologie, Soziales, Wirtschaftlichkeit – aussehen? Die Business-/Geschäfts-Flüge haben in der Pandemie-Zeit drastisch abgenommen, ja sind eingebrochen und der Trend hält an; Geschäftsreisen bedeuten in Zeiten von Zoom, Skype und MS Teams nicht mehr Flug und Hotel, sondern das Verschieben des Laptops von der Couch zum Tisch.

Veränderungen und Umbrüche hat es schon immer gegeben, wenn auch diese heute eine grosse Herausforderung – besonders für Ihre Branche – darstellen. 

Doch hat die Geschichte der Schweiz eines gezeigt: Ihr Erfolgsmodell heisst «Innovation». 

Sind wir denn in der Schweiz nicht geradezu prädestiniert für Innovation? Liegt sie nicht in unserer DNA? Sollten wir in der Schweiz deshalb nicht alle Kraft in die Förderung von Innovationen stecken? In die flexible und sichere Nutzung des Luftraums, in emissionsarme Flugzeuge, in nachhaltige Treibstoffe? Innovation überall dort, wo wir vor sicherheitsmässigen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen stehen? 

Nicht immer mehr Verbote bringen uns weiter in den wichtigen gesellschaftlichen und ökologischen Fragen der Zukunft, sondern Anreize für Innovation und Förderung der Innovationskultur. 

Damit kann die Schweiz auch weltweit einen wesentlich grösseren Beitrag leisten, als mit einseitiger Verbrämung einer für unser Land strategisch wichtigen Industrie. Ein Erfolgsmodell, welches schon unsere Pioniere erkannten und unser Land zum Erfolg brachten.

Darum lade ich alle ein: Akzeptieren wir die Herausforderungen der Zukunft und schaffen wir Raum und Anreize für Kreativität und innovative Lösungen. Zeigen wir Offenheit gegenüber Neuem und erhalten wir den Geist unserer Pioniere lebendig. Leben wir «zwischen Tradition und Innovation» in unserem Alltag. Im Herzen der Schweiz, hier in Nidwalden und bei jedem von Ihnen zu Hause.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein alle Ängste, alle Sorgen sagt man blieben darunter verborgen. 

Im Namen des Kantons Nidwalden wünsche ich Ihnen allen, viele sorgenfreie Momente über den Wolken aber auch auf dem Boden im Alltag und ganz persönlich. Geniessen Sie den Tag hier in Nidwalden und spüren Sie die Tradition und die Innovation. Ich freue mich, dass Sie hier sind und danke für die Einladung.

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