Rückblick auf das erste Jahr als Regierungsrätin

Dass eine meiner ersten Entscheidungen in meiner Amtszeit gleich zu einem Fasnachtssujet wird, hätte ich vor meiner Wahl nicht gedacht. Aber es war auch ein berührendes Thema, diese schönen Schwäne auf der Allmend, und ich verstehe die Diskussionen, die es gab.

Kurz zurück zum Sonntag, 23. März 2014

Freude pur, ich war überwältigt, Sie haben mich gewählt. Und dann Spannung pur: Die Direktionen waren zu vergeben. Wir, die drei Neuen im Regierungsrat, durften dabei mitreden. Doch, so ist es Tradition, die Entscheidung oblag dem alten Gremium. Dessen Entscheidung führte dazu, dass ich mich mit Freude, Spannung und Respekt auf eine Direktion vorbereiten durfte, von der nur der Name staubtrocken ist: Justiz- und Sicherheitsdirektion.

Vom Amt für Justiz bis zum Zivilstandsamt

In Wahrheit ist diese Direktion eine unglaublich lebendige Direktion. Zwar gehören zu ihr Ämter und Behörden, die nur so von Paragrafen durchsetzt zu sein scheinen, zum Beispiel das Amt für Justiz und das Grundbuchamt, auch das Militär; doch ist diese Justiz- und Sicherheitsdirektion voll von Themen, bei denen es um unser Miteinander geht, voller Themen, die berühren. Manches ist sehr tragisch, was in diese Direktion fällt, und manches doch voller Hoffnung: Schliesslich gehört so Quietschfideles und Fröhliches wie Geburten und Heiraten ebenfalls in meine Direktion, nämlich in dieses vermeintlich ach so graue Zivilstandsamt.

Tragische Momente

Vor allem zwei Ereignisse erschütterten und prägten mich, beide passierten kurz nach meinem Amtsantritt. Das waren der tragische Suizid im Gefängnis und dann dieser schreckliche Verkehrsunfall bei einem Bahnübergang in Wolfenschiessen, mit mehreren Toten und Verletzen. Ein tragisches, traumatisierendes Ereignis, und das für sehr viele Menschen. Dieses Ereignis, bei aller Tragik, hat mir jedoch auf einen Schlag die ganze Professionalität unserer Polizei und ihrer Partnerorganisationen aufgezeigt: in kürzester Zeit eine Sachlage überblicken, organisieren, sichern und handeln; und gleichzeitig alle persönlichen Emotionen zurückstellen.

Was nur mehrere können

Zu meiner Regierungsarbeit in der Justiz- und Sicherheitsdirektion gehört auch der Austausch mit anderen Kantonen. Dieser Austausch wird über die sogenannten Konkordate und Konferenzen geregelt. Da beraten wir über Aufgaben, die ein einzelner Kanton nicht lösen kann. Gewisse Dinge im Polizeiwesen gehören dazu, auch der Strafvollzug, die Jagd, das Zivilstandswesen. So ist diese überkantonale Zusammenarbeit zum Beispiel nötig, wenn es um Entwicklungen im Asylwesen geht oder zur Harmonisierung der Polizeiinformatik.

Blackout

Im Rahmen der Konkordatsarbeit hat mich etwas besonders beeindruckt, auch persönlich: eine gesamtschweizerische Übung der sogenannten Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr. Diese Übung namens SVU14 hat uns Behörden in der ganzen Schweiz gezeigt, wie schnell sich auch bei uns in der Schweiz das Chaos ausbreiten kann, und das, obwohl wir ja durchaus gut organisiert sind. Die Übung war: Was passiert, wenn es für mehrere Tage keinen Strom mehr gibt, ein totales Blackout? Schon bald mussten wir alle erkennen: Die Bewegungsfreiheit und die Lebensqualität sinken gegen Null. Der öffentliche und private Verkehr kommen zum Erliegen. Die Wohnung wird nicht mehr geheizt, der Kühlschrank funktioniert nicht mehr, die Toiletten versagen. Wie nah sind wir alle an Panik und Chaos? Uns Behörden hat diese Übung gezeigt: Nur wenn die Menschen überzeugt sind, dass ihre Behörden solche Krisen tatsächlich bewältigen werden, lassen sich Panik und Chaos vermeiden. SVU14 hat uns als Verantwortungsträger auf schwierige Entscheidungssituationen vorbereitet. Eine Konsequenz ist ein Protokoll, das vom Bundesrat bewilligt wurde, und jetzt zu Änderungen im Krisenmanagement führt.

Zum Beispiel am Schützenfest im Wallis

Für diese Konkordatsarbeit bin ich viel unterwegs, die Sitzungen sind in der ganzen Schweiz. Unterwegs bin ich auch, um den Kanton Nidwalden zu repräsentieren. Fast hundert Einladungen habe ich in meiner Funktion als Regierungsrätin erhalten, etwa zwei Drittel habe ich angenommen. Dazu gehörten Eröffnungsfeiern, Generalversammlungen, Jubiläums-, Beförderungs- und Abschlussfeiern, Besuchs- und Schiesstage, Wirtschaftsanlässe, Konferenzen, Exkursionen, Zeremonien, Rapporte oder auch Gesellschaftsevents wie das Schützenfest im Wallis. An solchen Anlässen können wir zeigen, wie stolz wir auf unseren Kanton sein können. Und ich finde diese Repräsentationsanlässe auch aus einem anderen Grund wichtig: Sie zeigen, was ich als Vertreterin unseres Kanton als wichtig und bedeutsam erachte. Einfach, indem ich teilnehme und die Menschen, die ich da treffe, wertschätze.

Der Regierungsrat lernt sich kennen

Und es gibt natürlich die Arbeit im Regierungsrat, wöchentlich halten wir Sitzung. Zu 985 Geschäften unterschiedlichster Natur haben wir während meines erstens Amtsjahres Entscheidungen finden müssen, basierend auf eidgenössischem und kantonalem Recht. Auf dieser rechtlichen Grundlage entstanden sehr angeregte, kritische und nützliche Diskussionen, je nach Sachverhalt und politischen Ansichten. Dabei waren sowohl die Meinungsbildung wie die Entscheidungsfindung im Team immer sehr differenziert. Natürlich – mit drei neuen Mitgliedern – hat sich der Regierungsrat erst formieren und finden müssen, und wir haben alle unsere Unterschiedlichkeiten erkennen und anerkennen müssen. Unserem Team wurde schnell klar, welche Erwartungen wir aneinander richten können und welche nicht. Genau dadurch ist schon sehr bald ein in meinen Augen äusserst effizientes Team entstanden.

Anstrengung lohnt sich

Teamarbeit ist nicht immer einfach, sie kann sehr anstrengend sein. Wir im Regierungsrat sind alle froh, dass jedes einzelne Mitglied diese Anstrengung auf sich nimmt. So ist diese Teamarbeit für uns im Regierungsrat nicht nur sehr sinnvoll, sondern wirklich eine Bereicherung. Das hilft uns allen, denn schliesslich sind die Aufgaben, die wir zu bewältigen haben, nur gemeinsam zu lösen.

In der Justiz- und Sicherheitsdirektion

Diese Teamarbeit, ja ein Miteinander, habe ich in meinem ersten Jahr in der Justiz- und Sicherheitsdirektion erleben dürfen, deren Vorsteherin ich bin. Am Anfang habe ich viel über meine Direktion lernen müssen, und so, wie mich die Führungskräfte und das Mitarbeiterteam dabei unterstützt haben, kann ich wirklich nur von einem Miteinander sprechen. Herzlichen Dank dafür, allen.

«Erzähl mir vom Leben»

In meinem Büro habe ich ein Bild von Priska Äschlimann aufgehängt, «Erzähl mir vom Leben» heisst es. Dieses Bild hat einen Bezug zu meinem Leitsatz «kreativ denken und verantwortungsbewussst handeln»: Es zeigt mir, wie wichtig es ist, dass wir miteinander sprechen und uns gegenseitig zuhören. Erst dadurch entsteht das Miteinander, das notwenig ist, um überhaupt erst kreativ denken und verantwortungsbewusst handeln zu können. Aber es lohnt sich: So finden wir Lösungen, die wir gemeinsam tragen können.

Erzähl mir vom Leben
Karin Kayser in ihrem Büro vor dem Bild «Erzähl mir vom Leben».

Ins zweite Amtsjahr

So freue ich mich auf das zweite Amtsjahr, das ich mich für Sie und unseren Kanton und uns alle einsetzen darf. Kreativ denken und verantwortungsbewusst handeln – dieser Leitsatz soll uns weiterhin begleiten, zugunsten unseres Miteinanders in unserem schönen Kanton Nidwalden.

 

Herzlich,

Karin Kayser

 

Wer sich für unsere Arbeit im Regierungsrat interessiert, findet mehr im Rechenschaftsbericht (PDF); zur Justiz- und Sicherheitsdirektion ab Seite 62.