Wie kann man nur für Phosphat im See sein, mag man sich da zunächst fragen; doch so unsinnig ist das gar nicht, denn es gibt – zumindest für die einen – gute Gründe für Phosphat im See. Von meiner Ausbildung her komme ich eher von einem wissenschaftlichen Punkt in dieses Thema, das politisch einige Brisanz aufweist: den Widerspruch zwischen dem Ziel des Gewässerschutzes und den Ansprüchen der Fischerei.

So kämpfen die Nidwaldner Fischer deswegen ums Überleben, weil der See gemäss ihrer Ansicht “zu sauber“ sei: Es gelangt zu wenig Phosphat hinein. Phosphat, muss man wissen, ist ein ganz normaler Bestandteil der Gülle; er war ebenfalls lange Zeit ein Bestandteil von Waschmitteln. Das Umweltgesetz hat dafür gesorgt, dass weniger Phosphat in der Gülle und keines in Waschmitteln vorkommt.

Phosphat ist aber auch wichtig für die Algen. Es lässt sie wachsen, und so finden die Fische viel zu essen, sie werden schwerer, die Netze voller. Das war die Situation in den 1960ern. Damals kam es jedoch zu einem Übermass an Phosphat, und das verwandelte die nährstoffreichen Seen in sauerstoffarme – eine Katastrophe für die Artenvielfalt. Kläranlagen wurden gebaut, sie hielten Phosphat und anderes zurück, Phosphate in Waschmitteln wurden verboten. Zunächst ging die Verschmutzung zurück, danach die Fischerträge.

Was sollen wir also mit unseren sauberen Seen tun? Das Gewässerschutzgesetz lockern? Da sagt der Bundesrat ganz klar: Es sollen weiterhin so viele Phosphate, wie es technisch nur möglich ist, aus den Gewässern entnommen werden. Ein seltsames und geradezu existenzielles Dilemma: Fischerei versus Gewässerschutz. Schon viele Stunden Diskussionen wurden an den Tischen verbracht, doch die Tische zeigen immer noch viele Ecken und lassen sich nur schwerlich abrunden.