Früher spielten wir auf der Wiese «Lueged nid ume, dr Wolf gaht ume» – Was zu meiner Kinderzeit nur beim Spielen real war, ist heute immer wieder Teil von Schlagzeilen, Gesprächsrunden, Stammtischen sowie in den politischen Diskussionen.

Natürlich, denn es geht ja um heisse Themen, sie werden sogar national beraten, und diese Beratungen schlagen sich kantonal nieder: Sowohl Grossraubtiere wie auch die Jagd wecken viele Gefühle, rühren an Traditionen, gerade in einem Kanton mit viel Wald und Bergen wie unserem. Hier bei uns werden Bären, Wölfe und Luchse als Bedrohung wahrgenommen, als Gefahr zum Beispiel für Gämsen, Rehe und Nutztiere, vor allem Schafe, auch für den Menschen. In städtischen Gebieten, wo diese Grossraubtiere kaum eine Gefahr darstellen, werden sie dagegen idealisiert.

Die Frage ist: Wie viele Grossraubtiere verträgt unsere Gesellschaft, in den Bergen wie in den Tälern und Städten? Viele Studien und Konzepte wurden erarbeitet: über Wölfe, Luchse, Bären und auch andere Tiere wie Biber, Höckerschwäne, Steinböcke, sogar Mittelmeermöwen. Man ist sich einig, dass die Populationen wachsen, und dieses Wachstum ist auch allgemein willkommen, solange die Tiere nicht Schäden verursachen oder gar Menschen bedrohen.

Das neu überarbeitete Jagdgesetz sieht vor, dass Wolfsbestände zukünftig reguliert werden können. Das gilt ebenso für andere konfliktträchtige geschützte Arten wie den Steinbock und den Höckerschwan. Auf Basis der bestehenden Population wird die Anzahl jagdbarer Tiere in jedem Kanton festgelegt. Die Kantone selbst entscheiden also künftig über die Bestandesregulierung geschützter Arten. Dabei zeigen die Diskussionen: Es ist und bleibt ein heikel. Die einen sind der Meinung, dass gewisse Kantone diese Möglichkeit zu Ungunsten der Tiere auslegen werden. Sie sagen, dass Artenschutz Aufgabe des Bundes sei. Die anderen sehen in dieser Möglichkeit jedoch einen schweizerisch guten, föderalistischen Weg.

Wie auch immer: Klar ist, die Kantone in der Schweiz haben alle sehr unterschiedliche Siedlungsstrukturen, Bevölkerungsdichten und Landschaften. Das beeinflusst die Artenvielfalt und die Populationsdichten der Wildtiere. So kann es in einem Kanton sehr viel Tiere einer Art haben, im anderen wiederum nicht. Und was für die einen ein Problem darstellt, ist für andere noch längst im Bereich des Durchschnittlichen und Anerkannten.

Die Diskussion wird sehr emotional geführt, verständlicherweise. Für meinen Teil jedoch erachte ich es als richtig, dass das neue Jagdgesetz die Verantwortungen klar zuweist und dass die Kantone selber entscheiden können, wann welche Tierart wie reguliert werden soll.

Dabei ist das neue Jagdgesetz keinesfalls eine «Licenc to kill». Es geht nicht darum, Tiere auszurotten. Die Arten bleiben geschützt, und so erlaubt es uns das neue Jagdgesetz, die Populationen so wachsen zu lassen und zu regulieren, dass sie möglichst keine Schäden produzieren oder gar gefährlich werden. Das neue Jagdgesetz ermöglicht eine standort- und situationsbezogene Regulierung, und das auf eine einfache Art und Weise.