November 2017. Die Idee: ein Interview. Ich treffe Martin Rutishauser, er korrigiert meine Texte. Das Gespräch haben wir aufgezeichnet, hier ist es, Martin hat es etwas gekürzt.

Karin, als ehemalige Gärtnerin und Winzerin und als Ingenieurin HTL für Obst-, Garten- und Weinbau – was hast du in den letzten vier Jahren gesät und geerntet?
Ja, gute Frage, tatsächlich, einiges ist noch am Wachsen. In der Natur spielt das Wetter mit, in der Politik die Diskussionen, das Miteinander. Das Gute ist, dass ich zwar das Wetter nicht beeinflussen kann, die Diskussionen und das Miteinander hingegen schon.

Und wie hast du das in den letzten vier Jahren gemacht?
Eigentlich wie immer, also wie damals als Gemeinderätin und Gemeindepräsidentin. Ich versuche immer, sachlich zu sein und alle Ansprüche, alle Stimmen zu integrieren. So gibt es gute Lösungen.

Das hört sich aber nicht so einfach an?
Nein, und ich mache mich auch nicht überall beliebt auf diese Weise. Zum Beispiel braucht es schon eine gewisse Härte, auf der Sachebene zu bleiben und von da aus auf Lösungen zu kommen. Denn das bedeutet, dass man die Dinge sehr klar und deutlich ansprechen muss. Auch dass man sich auf andere verlassen können muss. Damit zu rechnen, dass andere taktieren und jetzt zwar dieses, später dann etwas anderes sagen, das habe ich jetzt gelernt.

Da will ich doch gleich fragen: Was sind die schwierigsten Herausforderungen als Regierungsrätin?
Ein Geschäft zu erarbeiten, bedeutet, dass man die Komplexität dieses Geschäftes sehr gut kennenlernt. Aber in der politischen Diskussion darüber, kann diese Komplexität gar nicht vermitteln, das geht schon systembedingt nicht. In der Politik reagiert man aus einem anderen Blickwinkel, einem anderen Bedürfnis. Die Herausforderung liegt darin, dieses Geschäft trotzdem zum Ziel zu bringen. Das geht wohl nicht nur mir so, sicher auch den anderen Regierungsräten mit ihren jeweiligen Geschäften. Das ist das eine.

Und das andere?
Wir arbeiten ja für das allgemeine Interesse, und manchmal muss man den Menschen aufzeigen, dass Entscheide nicht nach Individualinteresse, sondern eben für das allgemeine Interesse gefällt werden müssen. Das weiss wohl jeder, aber wenn es einen dann selbst betriff, ist das nicht für alle leicht. Vor allem, wenn solche Entscheide im Dienst der Allgemeinheit für jemand Einzelnen persönlich einschneidende Folgen haben, aber auf Grund des Gesetzes unumgänglich sind.

Und jetzt aber: Was ist das Schönste an deiner Arbeit als Regierungsrätin?
Das ist diese Dynamik, die eine Arbeit bekommt, wenn die richtigen Menschen am richtigen Ort mit ihren Stärken mitwirken können. Und diese Wertschätzung und dieses Wohlwollen der Menschen in Nidwalden, die ich in Gesprächen und Begegnungen erfahre. Das ist schon sehr schön.

Hast du eigentlich eine Art Motto für deine Arbeit?
Ja, das sind vier Begriffe: Freude, Leidenschaft, Verantwortung, Augenmass. So arbeite ich, und das erlaubt es mir, sachlich zu sein und kreativ.

Ist da die Direktion für Justiz und Sicherheit nicht etwas trocken für Freude und Leidenschaft?
Das hatte ich anfänglich auch gedacht. Aber nicht lange. Diese Direktion enthält so viel Unterschiedliches. Die Polizei garantiert für Sicherheit im Alltag. Das Amt für Militär und Bevölkerungsschutz sorgt für Sicherheit in Krisensituationen. Das Grundbuchamt für Rechtssicherheit bei Grund und Boden. Das Amt für Justiz für einen, wie soll ich sagen, bunten Strauss von Sicherheiten: vom Gefängnis bis zum Zivilstand. Das sind alles Aufgaben, die ich wirklich nach meinem Motto angehen kann. Der Kreativität sind dann natürlich schon Grenzen gesetzt, wir richten uns ja nach dem Gesetz. Aber innerhalb dieses Rahmens gibt es ja auch etwas Spielraum.

Und konkret, was freut dich?
Ich freue mich über den Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern von Nidwalden, denn sie sind es ja, für dich ich arbeite. Deshalb freue ich mich auch, die Themen, die sie beschäftigen, in die Diskussion zu bringen. Das ist doch das Tolle an unserem politischen System, dass man seine Anliegen vorbringen, sie diskutieren und Lösungen und Veränderungen herbeiführen kann. Und auch wenn wir jetzt interkantonal und national gewisse Bereiche öffnen und enger zusammenarbeiten, möchte ich diese unsere föderalistische Ordnung aufrechterhalten. Für unser System darf man schon Freude empfinden, ja auch Leidenschaft.

Du bist Teil von interkantonalen und nationalen Kommissionen, und hast so vielleicht auch erfahren, wie die anderen Kantone den Kanton Nidwalden sehen?
Ja, in diesen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus den "grossen" Kantonen erhalte ich oft erst ein mildes Lächeln, wenn ich von unseren 42'000 Einwohnerinnen und Einwohnern und von unseren politischen Strukturen sprechen. Erfahren sie dann etwas mehr über uns Nidwaldnerinnen und Nidwaldner, verwandelt sich dieses milde Lächeln doch in einen erstaunten Blick. Und da staune ich selber auch, denn wenn ich von Nidwalden erzähle, wird mir klar, dass all das, was wir hier haben, absolut nicht selbstverständlich ist.

Zum Beispiel?
Dass wir unsere Traditionen tatsächlich leben, nicht nur die alten, auch die jungen. Dass wir uns mit unserem Kanton richtig identifizieren. Dass unsere Wege kurz und der Kontakt zu den Entscheidungsträgern einfach ist. Dann natürlich das das milde Steuerklima, die gute verkehrstechnische Anbindung, nahezu exklusive Standortfaktoren für Unternehmer. Dazu die Berge, der See, die Landschaft, all das erscheint uns normal. Ist es aber nicht. Es ist einmalig.

Wie ist die Arbeit als Regierungsrätin für dich?
Ich bin sehr gerne Regierungsrätin. Dass ich das Vertrauen der Nidwaldnerinnen und Nidwaldner habe, ihre Regierungsrätin sein zu dürfen, berührt mich. Es lässt mich auch immer wieder die Ehre spüren, die mir mit diesem Amt übertragen wurde. Was von mir als Politikerin erwartet wird, erwarte ich ja auch selber von mir: Fachfrau zu sein für all die Projekte und Geschäfte, die zu behandeln und umzusetzen sind. Arbeitgeberin zu sein für all die Personen, die in meiner Direktion arbeiten. Gleichzeitig für die Bürgerinnen und Bürger Ansprechpartnerin und Vermittlerin zu sein. Dann wieder, wie jetzt, Wahlkämpferin. Das sind sehr viele Rollen und Aufgaben. Es geht darum, Generalistin und Spezialistin gleichzeitig zu sein, strategisch vorauszudenken, aber auch politische Vorhaben operativ entschlossen umzusetzen, in Grundsatzfragen fit zu sein und gleichzeitig über Detailwissen zu verfügen und nicht zuletzt begeisternd zu reden und Menschen zu führen. Ja, nochmals: Ich bin gerne Regierungsrätin.

Du bist viel unterwegs, deine Agenda ist voll. Kommst du noch in die Natur?
Aber ja, diesen Ausgleich benötige ich, er gibt mir Kraft. Und letzten Sommer war ich sehr viel draussen unterwegs. Zu meinem 50. Geburtstag haben mir mein Mann und meine Kinder einen Wunsch erfüllt und mir die Grenzerfahrung Nidwalden organisiert. Wir sind zusammen und mit Bekannten und Freunden dem Nidwaldner Grenzverlauf entlanggewandert, in 17 Etappen.

Die CVP ist zu einer politischen Heimat geworden. Wie unterstützt sie dich?
Sie ist mir eine politische Familie, ich freue mich, ihr anzugehören. Und wie es in einer Familie so ist: Immer wieder gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen und Einstellungen. Doch genau diese Unterschiede haben in unserer Partei Platz, werden diskutiert und bringen uns weiter.

Mit der CVP bist du an sieben Samstagen in sieben Nidwaldner Gemeinden. Wie sieht das konkret aus?
Wir haben da jeweils einen kleinen Stand, immer an einem sehr zentralen Ort, da, wo wir glauben, die meisten Menschen zu treffen. Wir sind dann einfach da und möchten mit den Menschen ins Gespräch kommen, Fragen beantworten. Einfach einmal wirklich nah sein.

Warum geht das eigentlich nicht, sobald man gewählt ist?
Tja, das geht schon, es wird sogar gemütlicher. Statt in der Kälte trifft man mich an meinem Arbeitsort, da gibt es auch einen besseren Kaffee. Nein, ernsthaft: Sobald wir gewählt sind, werden wir tatsächlich etwas unsichtbarer. Aber wir sind immer noch ansprechbar: Via Email, auch telefonisch oder mit einem Brief, und wer will, kann natürlich einen Termin vereinbaren. Jede Regierungsrätin und jeder Regierungsrat hat genau zu diesem Zweck sogar extra Freiräume in der Agenda. Ich schätze dies sehr, aber sehr oft wird das gar nicht genutzt.

Letzte Frage: Wenn eine Fee käme und dir drei Wünsche ermöglichte, was wären die?
Vielleicht überall etwas mehr Toleranz, Wertschätzung. Auch mehr Begegnungen mit der Bevölkerung. Und vielleicht etwas mehr Gelassenheit in den Diskussionen im Landrat.

Du würdest dir von der Fee nicht wünschen, als Regierungsrätin bestätigt zu werden?
Nein, das soll keine Fee machen, darüber könnte ich mich nicht freuen. Ich will eine echte Antwort der Nidwaldnerinnen und Nidwaldner. Am besten natürlich ein echtes Ja.

Danke für das Gespräch, Karin, und viel Erfolg.