Vereidigung Kantonspolizei Nidwalden


Geschätzter Herr Kommandant
Geschätzte Polizistinnen und Polizisten

 

Meine Anrede schliesst alle Anwesenden und bereits durch den Kommandanten persönlich begrüsste Gäste mit in den Willkommensgruss ein.

Als Regierungsrätin darf ich häufig Reden schreiben und vortragen und als Frau Landammann gibt es noch ein paar Einladungen dazu. Ich mag das Reden schreiben. Manche Reden gehen allerdings einfacher von der Hand als andere. Eine dieser Reden ist diejenige für die Polizeivereidigung, dieser Anlass ist mir seit dem ersten Amtsjahr eine Herzensangelegenheit.

Aus diesem Grund habe ich es auch sehr bedauert, dass wir uns im letzten Jahr nicht Zusammenfinden durften – dafür haben wir heute die Ehre, gleich 14 Polizistinnen und Polzisten zu vereidigen. 

Seit meiner letzten Rede hier vor Ihnen, geschätzte Angehörige des Polizeikorps Nidwalden, ist viel gelaufen und geschehen. Freudiges und weniger Motivierendes, aber ganz bestimmt viel Spannendes. Diese Ausgangslage brachte mich schon bald dazu, dass sich die diesjährige Rede mit den Themen Veränderung, Verantwortung und Vertrauen, Verantwortung beschäftigten soll. Während den Vorbereitungen erinnerte ich mich an eine Geschichte, welche ich so passend finde, dass ich sie Ihnen gerne erzählen möchte. 


Vereidigung Kantonspolizei Nidwalden 24. September 2021

EINE GESCHICHTE VON VERÄNDERUNG, VERANTWORTUNG UND VERTRAUEN!

Ich traf im vergangenen Winter einen Künstler auf einem Markt in einer großen Stadt, der seine selbstgefertigten Bronzefiguren an seinem Stand verkaufte und diese auch direkt vor Ort mit einem schweren Lötbrenner und einer aufwändigen Halterung, mit hoher Fachwerkskunst, fertigte. Viele Besucher des Marktes waren interessiert und blieben in der Nähe dieses Standes stehen, um das Herstellen und die ausgestellten Figuren aus der Nähe zu begutachten. So auch meine Frau und ich.

Wir kamen mit dem Künstler ins Gespräch und an den Punkt als meine Frau ihn freundlich fragte, ob man denn von dieser Arbeit leben könne. Darauf gab es eine abrupte Pause und betretenes Schweigen. Wir wunderten uns, denn die Frage schien eine einfache, wenn auch etwas eine Vertraulich zu sein und die Erwartung eines Neins unsererseits war groß. Ging wohl unsere Frage zu weit?

Der Künstler legte sein Werkzeug zur Seite und sagte mit einem nachdenklichen Gesicht: «es ist erstaunlich, dass sie dies fragen, denn diese Frage kam schon sehr lange nicht mehr. Wahrscheinlich schon Jahre nicht. Früher kam diese Frage sehr oft. Ich möchte ihnen davon erzählen.»

Er fuhr fort: «Ja, ich kann mittlerweile davon leben. Es geht ganz gut und ich kann es mir erlauben, nur noch auf zwei große Märkte im Jahr zu fahren. Ansonsten verkaufe ich die Figuren zuhause in den Bergen in meinem Haus und die Ausstellung dort ist auch immer nur kurz geöffnet. Teilweise auch nur auf Anfrage. Dennoch läuft das Geschäft prima und ich muss jetzt viel weniger reisen.

Anfangs war das ganz und gar nicht so. Ich ging auf viele Märkte, hatte dadurch viel Stress und kümmerte mich sehr darum, ob die Einnahmen stimmen würden und ich wirklich von diesem Betätigungsfeld leben könnte. Es war mein grosser Wunsch, dies schnellstmöglich zu erreichen. Eine andere Tätigkeit interessierte mich schlicht nicht mehr.

Ich war nie zufrieden, die Situation belastete mich sehr und ich überlegte, was könnte ich tun, um den Umsatz anzukurbeln und verwarf dann auch schon wieder vieles. Brauchte ich ein besseres Werbekonzept oder brauchte ich gar gänzlich andere Produkte? Die Fertigung der Bronzefiguren ist nicht gerade einfach und handwerklich sehr aufwändig. Häufig gehen beim Bearbeiten auch Figuren kaputt und das teure Material muss dann entsorgt werden. Aber ich bin von ganzem Herzen Künstler und von diesen Bronzefiguren vollständig überzeugt und es gibt nur wenige, die diesen Prozess des Herstellens beherrschen. Ich dachte damals: Oh, je! Wie wird sich das nur entwickeln?

Damals stand ich jeweils unlustig am Marktstand und versuchte alles, um die Kunden von einem Kauf zu überzeugen. Eines Tages rief mir der Nachbarsmarktfahrer zu: Hej Paulo warum so aufgeregt, nimm dein Werkzeug und arbeite an deinen Bronzefiguren, du machst das so toll.

Und just von diesem Tage an lief der Verkauf schlagartig besser. Die Leute kamen näher, blieben länger, schauten mir beim Löten zu und mit vielen kam ich dadurch in ein Gespräch. Die Umsätze stiegen wie von selbst und ich konnte mich am Ende nur noch auf einige wenige Märkte im Jahr konzentrieren und ansonsten von zuhause aus agieren.»

Der Künstler schmunzelte uns zufrieden an und nahm seine Arbeit wieder auf, während wir über das Gesagte nachsannen und uns dann dankend verabschiedeten.

 

Ja liebe Angehörige des Polizeikorps Nidwalden. 

Der Künstler war im Herzen davon überzeugt, das Richtige zu tun. Bronzefiguren waren seine Leidenschaft. Das Produkt hat aber für sich alleine nicht überzeugt, niemand wollte es kaufen. Erst als die Leute den Menschen und nicht nur den Verkäufer hinter den Figuren sahen erkannten sie die Professionalität und Leidenschaft welche in dem Produkt steckte und alles lief von da an wie von alleine.

Verhält es sich mit der Polizeiarbeit nicht auch so? Um Akzeptanz zu finden, muss jeder Polizist mit innerem Feuer und mit Überzeugung für die Sache, mit Selbstbewusstsein, Fachkompetenz und Konsequenz auftreten und den Kontakt zur Bevölkerung pflegen, um ihr Vertrauen zu gewinnen. 

Mir gefällt, wie der Künstler entdeckt, dass wenn er sich auf seine Talente und Fähigkeiten besinnt, er sein Ziel erreicht. Ziele brauchen Aufmerksamkeit und damit Energie, um erreicht zu werden. Erfolg erfolgt. Er erfolgt aber nicht von selbst: Es braucht Selbst-Vertrauen in das, was man tut und die nötige Kompetenz und Konsequenz. 

Liebe Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter: Sie bringen bereits aus Ihrer ersten Ausbildung viele Fähigkeiten mit und haben in der Polizeischule noch mehr Wissen dazu erworben. 

Ich lade Sie ein, diese Talente und Fähigkeiten mit viel Vertrauen und Herzblut einzusetzen. Machen Sie es dem Künstler gleich. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie ganz besonders gut können, tauschen sie sich untereinander aus und erweitern sie somit ihre Begabungen. Zusammen wird sich ein prall gepackter Rucksack an polizeilichem Wissen und Können ergeben. Sie werden ihn gebrauchen können.

Denn sie sind als Polizisten an den Konfliktlinien, Bruchkanten und Reibungsflächen einer vielfältigen Gesellschaft unterwegs. Sie treffen dabei auf Lebens- oder Verhaltensweisen, die Ihnen selbst möglicherweise fremd sind.

Dabei sind Sie als Polizisten Teil der vollziehenden Gewalt. In einem demokratischen Rechtsstaat sind die Sicherheitsbehörden die einzigen, die gesetzlich legitimiert Gewalt anwenden dürfen, nämlich genau im Namen und zum Schutz des Rechtsstaates und seiner Bürgerinnen und Bürger

Nur ein sorgsamer und verantwortungsvoller Umgang mit dem Gewaltmonopol, sichert der Polizei die Legitimität und die Akzeptanz der Gesellschaft für Ihre Arbeit.

Diese Legitimität haben Sie, geschätzte Polizistinnen und Polizisten, von der Bevölkerung bekommen. Die Polizei steht im Ansehen der weit überwiegenden Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unter allen Berufen und Institutionen an oberster Stelle.

Es zeigt klar, die Polizei – auch die Kantonspolizei Nidwalden – arbeitet professionell. Diese hohe Akzeptanz der Bevölkerung wollen wir auch in Zukunft erhalten. Und genau dazu braucht es die Fähigkeiten unseres Künstlers in der Geschichte. Denn im Polizeiberuf stehen Sie jeden Tag an vorderster Front. Sie müssen oft auch in unklaren Lagen den Überblick behalten, entscheiden und schnell handeln. Das ist anders als bei anderen beruflichen Tätigkeiten, in denen man Entscheidungen aufschieben, Gutachten einholen, Stellungnahmen anderer einbeziehen kann.

In einem freiheitlichen demokratischen Gemeinwesen ist die Aufgabe der Polizei eine sehr umfassende. Sie treten dem Bürger nicht nur als Vertreter des Staates gegenüber, der gesetzestreues Verhalten verlangt, sondern Sie schützen auch seine Rechte.

Und dies Tag für Tag, Jahrein und Jahraus. Das tönt spannend. Das ist herausfordernd. Nicht einfach umsonst haben Sie oder leisten Sie heute einen Eid auf die Verfassung unseres Landes. Sie erfüllen eine wichtige Aufgabe im Namen unseres Staates und ich versichere Ihnen, Ihre wertvolle Arbeit nehmen die Bürgerinnen und Bürger und auch die Politik unseres Kantons wahr. 

Es ist mir klar, die Polizeiarbeit ist nicht nur spannend und besteht zum Glück nicht nur aus spektakulären Blaulichteinsätzen. Das alles braucht manchmal auch eine grosse Portion Durchhaltefähigkeit. Manchmal wachsen einem die administrativen Pendenzen über den Kopf, nervt man sich über unzureichende Infrastrukturen oder fühlt sich nicht genügend wertgeschätzt. Doch jetzt kommt wieder die Botschaft unseres Künstlers ins Spiel. Jeder von Ihnen hat ganz besondere Fähigkeiten, schöpfen Sie diese mit viel Herzblut und Zuversicht aus und lassen Sie sich nicht von unzulänglichen Rahmenbedingungen ablenken.

Die Polizei braucht solche Menschen wie sie, Menschen mit Stärken und mit Schwächen, Menschen mit Herzblut und Zuversicht. Solche Menschen machen eine starke und moderne Polizei aus, in welche die Politik gerne investiert. 

Deshalb freue ich mich als Justiz- und Sicherheitsdirektorin, dass wir heute 8 Polizisten in unser Korps aufnehmen dürfen, welche in unser Korps wechseln und es mit ihren langjährigen Berufserfahrungen bereichern. Auf Ihrer Schulter schmückt das Nidwaldnerwappen Ihre Uniform. Ich freue mich sehr, haben Sie sich für das Korps von Nidwalden entschieden. Ich bin überzeugt, dass Sie die neuen Aufgaben verantwortungsvoll, mit Leidenschaft, Freude und Professionalität wahrnehmt. 

Der Rahmen für alles staatliche Handeln ist bekanntlich unsere Verfassung. Deswegen werden heute unsere 4 Polizeischulabgängerinnen und Polizeischulabgänger vereidigt. Mit Ihrem Eid schwören sie ihre Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen und die Verfassung der Eidgenossenschaft zu wahren. Ich freue mich ganz besonders, dass Sie das Nidwaldner Korps mit den neusten Polizeikenntnissen bereichern und die Polizeiarbeit professionell mitgestalten.

Ich bereite Ihnen hier den schon traditionellen roten Polizei-Schirm aus und lade Sie ein, darunter Platz zu nehmen. Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg in Ihrer Polizeiarbeit. Auf dass Sie immer gesund aus Ihren Einsätzen zurückkehren und sich mit Stolz und Freude an diesen Tag zurückerinnern.

Und ein Herz, eines aus Schoggi. Arbeiten Sie mit Verstand und Herz, sprechen Sie mit den Leuten, seien Sie beherzt und erarbeiten sich so das Vertrauen. 

Und dann, geniessen Sie Ihr Wochenende im Wissen: Wir sind stolz auf Sie.

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